IT-Lexikon
Cybersecurity

Lateral Movement

Technik, bei der sich Angreifer nach dem initialen Zugriff innerhalb eines Netzwerks von System zu System bewegen.

Lateral Movement bezeichnet die Phase eines Angriffs, in der sich ein Angreifer nach dem initialen Zugriff seitlich durch das Netzwerk bewegt — von einem kompromittierten System zum nächsten. Das Ziel ist, höhere Berechtigungen zu erlangen, wertvolle Daten zu finden oder Domain-Admin-Zugriff zu erreichen. Lateral Movement ist die kritischste Phase der meisten Angriffe, da hier aus einem einzelnen kompromittierten Endpunkt eine vollständige Netzwerkübernahme wird.

Gängige Techniken

Angreifer nutzen eine Vielzahl von Methoden, um sich innerhalb eines Netzwerks zu bewegen. Die meisten Techniken missbrauchen legitime Verwaltungsprotokolle und Authentifizierungsmechanismen.

Technik Beschreibung Missbrauchter Mechanismus
Pass-the-Hash Authentifizierung mit gestohlenen NTLM-Hashes ohne Klartextpasswort NTLM-Authentifizierung
Kerberoasting Extraktion und Offline-Cracking von Service-Ticket-Hashes Kerberos TGS-Tickets
RDP-Hijacking Übernahme oder Nutzung bestehender Remote-Desktop-Sitzungen Remote Desktop Protocol
PsExec / SMB Remote-Ausführung von Befehlen über SMB-Shares Windows-Verwaltungstools
WMI-Missbrauch Fernsteuerung über Windows Management Instrumentation WMI-Infrastruktur
Token Impersonation Übernahme von Sicherheitstoken anderer Nutzer oder Prozesse Windows Access Tokens

Warum Lateral Movement die entscheidende Phase ist

Der initiale Zugriff — ob durch Phishing, eine Schwachstelle oder gestohlene Credentials — betrifft zunächst nur ein einzelnes System mit begrenzten Rechten. Erst durch Lateral Movement erreicht ein Angreifer die Systeme, die tatsächlich Schaden anrichten: Domain Controller, Backup-Server, Datenbanken oder Produktionssysteme. Die meisten Ransomware-Angriffe wären ohne erfolgreiche Lateral-Movement-Phase auf einen einzelnen Endpunkt begrenzt.

Erkennung

Die Erkennung von Lateral Movement ist anspruchsvoll, da Angreifer legitime Protokolle verwenden. Network Detection and Response (NDR) analysiert Netzwerkverkehr auf anomale Muster — etwa ungewöhnliche SMB-Verbindungen zwischen Workstations. SIEM-Systeme korrelieren Anmeldeereignisse und erkennen verdächtige Zugriffsmuster, wie die Nutzung eines Kontos auf Systemen, auf die es normalerweise nicht zugreift. Honeypots und Deception-Technologien platzieren attraktive Scheinziele im Netzwerk, die bei Kontakt sofort Alarm auslösen.

Prävention

Die wirksamste Verteidigung gegen Lateral Movement kombiniert mehrere Ansätze: Ein Tiering-Modell trennt administrative Ebenen strikt voneinander, sodass kompromittierte Tier-1-Credentials keinen Zugriff auf Tier-0-Systeme ermöglichen. Mikrosegmentierung unterbindet unnötige Kommunikation zwischen Systemen. PAM eliminiert dauerhafte Admin-Rechte durch Just-in-Time-Zugriff. Credential Hygiene — insbesondere die Vermeidung von Cached Credentials auf Endpunkten und die Verwendung von LAPS — entzieht Angreifern das Material für Credential-basierte Angriffe.

Relevanz für KMUs

In vielen KMU-Netzwerken gibt es kaum Barrieren für Lateral Movement: flache Netzwerke ohne Segmentierung, Domain-Admin-Konten auf Workstations und lokale Admin-Passwörter, die auf allen Geräten identisch sind. Schon grundlegende Maßnahmen wie die Einführung von LAPS, die Trennung von Admin- und Nutzerkonten und eine Basis-Segmentierung reduzieren das Risiko erheblich.