IT-Lexikon
ADCybersecurity

Active Directory

Microsofts zentraler Verzeichnisdienst für die Verwaltung von Identitäten, Berechtigungen und Gruppenrichtlinien in Windows-Netzwerken.

Active Directory (AD) ist der zentrale Verzeichnisdienst in den meisten Unternehmensnetzwerken. Es verwaltet Nutzerkonten, Computerkonten, Gruppenrichtlinien, Zertifikate und Zugriffsberechtigungen. Durch seine zentrale Rolle ist AD auch das primäre Angriffsziel — die überwiegende Mehrheit aller Cyberangriffe auf Unternehmen nutzt Active Directory als Angriffsvektor.

Wie Active Directory funktioniert

Active Directory organisiert alle Objekte eines Netzwerks — Benutzer, Computer, Gruppen, Drucker — in einer hierarchischen Struktur aus Domänen, Organizational Units (OUs) und Forests. Die Authentifizierung erfolgt über das Kerberos-Protokoll, bei dem ein Domain Controller Tickets ausstellt, die den Zugriff auf Ressourcen ermöglichen. Gruppenrichtlinien (GPOs) steuern zentral die Konfiguration aller domänenverbundenen Computer — von Passwortrichtlinien über Softwareinstallation bis zur Firewall-Konfiguration.

Diese Zentralisierung ist gleichzeitig die größte Stärke und die größte Schwäche von Active Directory. Wer die Kontrolle über AD gewinnt, kontrolliert die gesamte IT-Infrastruktur. Ein kompromittierter Domain Admin kann Passwörter ändern, Gruppenrichtlinien manipulieren, Hintertüren installieren und Daten exfiltrieren — ohne dass einzelne Systeme gesondert angegriffen werden müssen.

AD vs. Entra ID

Merkmal Active Directory (On-Premise) Microsoft Entra ID (Cloud)
Protokolle Kerberos, NTLM, LDAP OAuth 2.0, SAML, OpenID Connect
Verwaltung Domain Controller im eigenen Netz Cloud-basiert, von Microsoft betrieben
GPO-Support Vollständig Nicht vorhanden (Intune als Alternative)
Fokus On-Premise-Ressourcen Cloud-Anwendungen, SaaS
Synchronisation Quelle für Azure AD Connect Empfänger der synchronisierten Identitäten

Active Directory und Microsoft Entra ID (ehemals Azure AD) sind unterschiedliche Systeme, die über Azure AD Connect synchronisiert werden können. In hybriden Umgebungen bildet das On-Premise-AD oft weiterhin die Vertrauensbasis — und damit das kritischste Angriffsziel. Fehlkonfigurationen bei der Synchronisation können dazu führen, dass On-Premise-Schwachstellen in die Cloud vererbt werden.

Häufige Schwachstellen

In der Praxis finden sich in fast jedem Active Directory dieselben Schwachstellenmuster: Kerberoasting ermöglicht das Offline-Cracking von Service-Account-Passwörtern. Überprivilegierte Konten gewähren Nutzern weit mehr Rechte als nötig. Fehlende Tier-Trennung erlaubt es privilegierten Konten, sich auf unsicheren Systemen anzumelden. Veraltete Protokolle wie NTLMv1 sind anfällig für Pass-the-Hash-Angriffe. Und fehlende Überwachung von Änderungen an kritischen AD-Objekten — etwa der Domain-Admins-Gruppe — lässt Angreifer unbemerkt agieren.

Active Directory absichern

Die Absicherung von Active Directory erfordert einen mehrschichtigen Ansatz. Das Tiering-Modell trennt administrative Konten nach Sicherheitsstufen, sodass ein kompromittierter Tier-2-Admin keinen Zugriff auf Domain Controller erhält. LAPS eliminiert identische lokale Admin-Passwörter auf allen Rechnern. PAM sichert privilegierte Zugänge mit Just-in-Time-Access und Session Recording ab. Und ein SIEM überwacht kritische Änderungen am AD in Echtzeit.

Ebenso wichtig ist die Härtung der Domain Controller selbst: Deaktivierung unnötiger Dienste, Einschränkung der Anmeldemöglichkeiten, Konfiguration nach CIS Benchmarks und regelmäßige Überprüfung der AD-Berechtigungsstruktur auf Konfigurationsdrift.

Relevanz für KMUs

Active Directory ist auch im Mittelstand allgegenwärtig — vom Fünf-Personen-Betrieb mit einem einzelnen Domain Controller bis zum Unternehmen mit mehreren Standorten und Forests. Die häufigsten Probleme in der Praxis sind historisch gewachsene Berechtigungsstrukturen, nicht deaktivierte Konten ehemaliger Mitarbeitender und fehlende Segmentierung zwischen Server- und Client-Netzen. Ein strukturiertes AD-Assessment deckt diese Schwachstellen auf und liefert einen priorisierten Maßnahmenplan.

Häufige Fragen

Was ist Active Directory?+
Active Directory (AD) ist Microsofts zentraler Verzeichnisdienst für Windows-Netzwerke. Es verwaltet Benutzerkonten, Computerkonten, Gruppenrichtlinien und Zugriffsberechtigungen und stellt über das Kerberos-Protokoll die Authentifizierung für alle domänenverbundenen Systeme bereit.
Was ist der Unterschied zwischen Active Directory und Entra ID?+
Active Directory ist ein On-Premise-Verzeichnisdienst, der Kerberos, NTLM und LDAP verwendet und GPOs für die Gerätekonfiguration nutzt. Microsoft Entra ID (früher Azure AD) ist ein Cloud-basierter Identitätsdienst für SaaS-Anwendungen, der auf OAuth 2.0, SAML und OpenID Connect setzt — GPO-Support fehlt, Intune übernimmt diese Rolle.
Braucht man Active Directory noch?+
In Umgebungen mit On-Premise-Ressourcen, Windows-Clients und klassischen Dateiservern bleibt AD weiterhin die zentrale Identitätsplattform. Rein Cloud-native Organisationen ohne On-Premise-Infrastruktur können mit Microsoft Entra ID auskommen, hybride Umgebungen synchronisieren beide Systeme über Azure AD Connect.
Was ist ein Domain Controller?+
Ein Domain Controller (DC) ist der Server, der Active Directory hostet und Authentifizierungsanfragen für eine Domäne bearbeitet. Er stellt Kerberos-Tickets aus, repliziert AD-Daten mit anderen Domain Controllern und ist das kritischste System in einer Windows-Umgebung — seine Kompromittierung bedeutet vollständige Kontrolle über die Domäne.
Was ist der Unterschied zwischen AD DS und AD CS?+
AD DS (Active Directory Domain Services) ist der eigentliche Verzeichnisdienst für Identitäten, Gruppenrichtlinien und Authentifizierung. AD CS (Active Directory Certificate Services) ist eine Zertifizierungsstelle zum Ausstellen von PKI-Zertifikaten — Fehlkonfigurationen in AD CS sind ein häufiger Angriffsvektor für Privilege Escalation.